Der heutige Naturspaziergang führte uns trotz kalendarischem Winterbeginn in den heute von Sonnenlicht durchfluteten Wald mit milden Temperaturen. 21 Personen liessen sich von Dorothee Häberling und Verena Steinmann gleich zu Beginn des Spaziergangs in Adventsstimmung bringen. Im Wald standen vier Adventskerzen, auf denen die Lampions der Physalis die Flammen symbolisierten. Ein schönes Beispiel, wie man mit dem, was im Wald zu finden ist, etwas selber machen kann. Ziel des heutigen Spaziergangs war es, verschiedenes Dekorationsmaterial zu sammeln, um daraus Adventsschmuck herzustellen. Daneben wurde wieder viel Wissenswertes vermittelt, heute passend zum Thema Bäume und Holz.

So erfuhr man, dass die ursprüngliche Waldbewirtschaftung des 13. bis 20. Jahrhunderts, der Mittelwald, im Hönggerwald für Versuchszwecke wieder eingeführt wurde. Der Mittelwald ist ein Wald mit zwei Baumschichten. Das Oberholz liefert das Bauholz; es handelt sich dabei um eine überhältige Bestandesschicht, die aus Kernwüchsen oder aus Stockausschlägen, den so genannten Lassreiteln, entstehen. Es sind dies Eichen, Eschen, Ahorn oder Buchen. Dank dieser Versuchsfläche können heute mächtige Eichen bewundert werden, in deren Rinde es von Leben wimmelt und die vielen Höhlenbrütern in den ausgebauten Astlöchern Schutz und Fortpflanzung ermöglichen. So ist auch der Mittelspecht wieder heimisch geworden im Hönggerwald.

 Neben dem Holz interessieren aber auch die Früchte der Bäume. In diesem Jahr ist bspw. die Samenmenge der Eichen gross, so dass man grosszügig mit Eichelhütchen für den Adventsschmuck bedient wird. Das ist nicht jedes Jahr so, wie Dorothee Häberling den Teilnehmenden erklärte.

Wenn die Bäume reichlich Früchte trugen, freute das früher die Menschen. Dann trieben sie die Schweine in die Wälder, die sich so an Eicheln und Buchennüsschen satt fressen konnten und schön dick wurden – also gemästet durch den Wald. Das ergab entsprechend auch schöne Würste und guten Speck. Man spricht daher auch heute noch von Mastjahren, wenn die Samenmenge bei Bäumen gross ist. Man erfuhr auch, in welchen Zyklen die veschiedenen Baumsorten ihre Mastjahre entwickeln. Neben den spannenden Ausführungen wurde fleissig Ausschau gehalten nach schönen Rundhölzern und die ersten Sägen kamen zum Einsatz.

 Neben dem Holz und den Früchten ist auch die Rinde ein Thema, das einen eigenen Spaziergang wert wäre. Als Schale für Kerzen und weiteres Dekorationsmaterial eignen sich Rinden gut, speziell auch solche, die merkwürdige Zeichen auf der Innenseite aufweisen. Wie man erfuhr, waren das Buchdrucker und Kupferstecher ... Nach einem heissen Sommer wie diesen, wenn die Bäume gestresst sind, bietet sich dem Borkenkäfer die Chance, in die Rinde einzudringen und sich eine Rammelkammer zu bauen um, sie erahnen es, ein Weibchen anzulocken. Dies führt dazu, dass das Weibchen Muttergänge bildet, die bis 30 cm lang werden können und 20 bis 80 Eier enthalten. Während einem langen und heissen Sommer können Borkenkäfer bis zu drei Generationen bilden, was wiederum sehr viele kleine Borkenkäfer ergibt, die nur darauf warten wieder eine Rammelkammer zu bilden. Schauen Sie sich bei ihrem nächsten Spaziergang eine am Boden liegende Rinde einmal genauer an. Sie werden die Larvengänge, aber auch die Rammelkammer sicher erkennen.

An der Holderbachhütte wurde dann kurzerhand eine Kreativwerkstatt eingerichtet, wo das Waldmaterial und das zur Verfügung stehende Werkzeug die Naturspaziergängerinnen und Naturspaziergänger einluden sich kreativ zu betätigen. Daneben wurde ein wärmendes Feuer entzündet, ein Kessel mit Glühmost blubberte auf dem Rost und es wurde gesägt und gehämmert, gemalt und gelacht. Einige tobten sich an der Säge aus, andere arbeiteten konzentriert und still an den Moosen und Rinden. Wenn man die Geschäftigkeit beobachtete, kam man nicht umhin zu denken, dass es den Leuten Spass gemacht hat. Und die Ergebnisse des emsigen Treibens werden nun viele Wohnungen und Häuser schmücken mit den wunderbaren Geschenken, die uns der Wald beschert hat.

Auf den nächsten Naturspaziergang, wo wiederum viel erfahren werden kann, darf man sich schon jetzt freuen; er wird uns in in den winterlichen Wald und den Bewohnern darin führen.

Text: Denise Thoma, Fotos: Annette Gonzalez-Müller, Dorothee Häberling, Silvia Noser, Eva Ott, Denise Thoma

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