Der heutige Naturspaziergang führte uns zu betenden Händen und zu den Teufelchen – wenn Sie nun an eine Kirchenführung denken, liegen Sie völlig falsch. Die Rede ist hier von blutrotem Hartriegel und wolligem Schneeball. Rund 50 Personen liessen sich bei milden Temperaturen, blauem Himmel und eitlem Sonnenschein in die Geheimnisse der Knospen einführen. Steht man im Winter am Waldrand, sieht man Äste von Sträuchern und Bäumen in einem einheitlichen Braun. Zwischendurch leuchtet vielleicht eine Beere oder gar ein grünes Blatt hervor. Das Gehölze wirkt unscheinbar, auch die Winterknospen scheinen sich kaum voneinander zu unterscheiden.

Doch bei näherer Betrachtung erweisen sich die Knospen in Aufbau und Stellung am Zweig völlig unterschiedlich. Auch die Knospen selber lassen sich gut in Form, Farbe und Schuppung unterscheiden. Man kann tatsächlich mithilfe eines Bestimmungsschlüssels Laubbäume und Sträucher im Winterzustand mittels Knospen bestimmen!

Mit ein paar Erläuterungen zu fachlichen Begriffen im Bestimmungsschlüssel und aufmunternden Worten seitens der Leitenden Sonja, Brigitte und Adriano versuchten es die Naturspaziergängerinnen und Naturspaziergänger gleich selber. Es wurde genau hingeschaut und diskutiert: Sind die Knopsen wechselständig angeordnet? Haben die Äste Dornen und sind diese in Kurztrieben endend? Sind die Knopsen schraubig angeordnet? Besitzen die Knospen mehr als drei Knospenschuppen? Ist die Knospe rund, spitz? Welche Farbe hat die Knospe? Wenn Sie jetzt vor lauter Knospen das Gehölze nicht mehr sehen, ergeht es Ihnen wie den eifrig Bestimmenden ... aber es funktioniert, das können Sie mir glauben. Es gibt auch noch weitere Bestimmungsmerkmale, die einem weiterhelfen können, wie der Habitus, die Rinde, wenn vorhanden die Beeren, die Blätter um nur die wichtigsten aufzuzählen. Ich möchte Ihnen noch etwas zum Rätseln mitgeben: Was ist denn überhaupt eine Knospe und wann werden diese gebildet? Vielleicht ein Tipp: Denken Sie an einen gut verpackten Frühling.

 

KnospenbestimmungKirschlorbeerAcer pseudoplatanus Winter sh01

In einem zweiten Teil wurde das Thema invasive Neophyten angeschnitten. Neophyten sind, im Gegensatz zu Archäotypen, gebietsfremde Pflanzenarten, die nach 1492 eingeführt wurden – nicht immer absichtlich. Das Attribut invasiv bekommen die Neophyten, wenn sie sich nicht nur wild etablieren können, sondern sich auch rasch ausbreiten und die einheimischen Pflanzen verdrängen. Mit der Klimaerwärmung etablieren sich auch vermehrt Pflanzen, die in unseren Breitengraden nicht überleben würden. Über invasive Neophyten wird eine schwarze Liste geführt. Sie ist nicht nur ein wichtiges Werkzeug zur Bekämpfung von Neophyten sondern liefert, wie es auf www.infoflora.ch heisst, Entscheidungshilfen bei deren Bekämpfung mit Hilfe der Verordnung über den Umgang mit Organismen in der Umwelt. Auch im Waldstück an der Sonnenbergstrasse finden sich invasive Neophyten. Gefunden wurde beispielsweise ein Kirschlorbeerbaum oder ein runzelblättriger Schneeball. Wir alle können etwas gegen invasive Neophyten tun, in dem wir im privaten Bereich einheimische Pflanzen setzen oder während einem Spaziergang das eine oder andere Blümlein wie das Berufskraut ausrupfen.

Der Nachmittag neigte sich rasch gegen den Abend und es wurde merklich kühler. Da war der Tee, wie immer gespendet vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg sehr willkommen. Mit einem Guetsli als Stärkung wurde noch eine Weile miteinander diskutiert und Informationen ausgetauscht. Zufrieden über den gelungenen und interessanten Nachmittag machten sich die Naturspaziergängerinnen und Naturspaziergänger auf den Heimweg. Auf den nächsten Naturspaziergang, wo wiederum viel erfahren werden kann, darf man sich schon jetzt freuen: er wird uns zum Morgenkonzert der Vögel führen.

Text: Denise Thoma, Fotos: Verena Steinmann, Denise Thoma

 

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